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Secure Boot-Zertifikate 2026: Stichtag 24. Juni für Windows-Systeme

Die Secure Boot-Zertifikate aus dem Jahr 2011 laufen ab Juni 2026 aus – beginnend mit dem 24. Juni 2026.
Für die meisten Privatgeräte ist das ein Nicht-Ereignis, weil Microsoft die Erneuerung im Hintergrund übernimmt.
Für verwaltete Umgebungen in Unternehmen, Server und ältere Hardware ist es dagegen eine planbare, aber nicht triviale Migrationsaufgabe.

Wichtige Fakten zu Secure Boot

Was ist Secure Boot – und warum laufen Zertifikate ab?

Secure Boot ist eine Funktion der UEFI-Firmware und prüft schon vor dem Start des Betriebssystems, ob Bootloader und frühe Boot-Komponenten von einer vertrauenswürdigen Stelle signiert wurden. Das Vertrauen stützt sich auf Zertifizierungsstellen (CAs), deren Schlüssel in den UEFI-Variablen KEK und DB hinterlegt sind.

Wie jedes Zertifikat haben auch diese CAs ein Ablaufdatum. Die 2011 ausgestellten Microsoft-Zertifikate erreichen 2026 ihr Lebensende – ein regulärer Lifecycle-Vorgang, der zugleich die Secure-Boot-Härtung seit der BlackLotus-Lücke (CVE-2023-24932) fortführt.

Welche Zertifikate laufen genau ab?

Betroffen sind drei Microsoft-Zertifikate mit unterschiedlichen Aufgaben:

Zertifikat (2011)RolleAblauf
Microsoft Corporation KEK CA 2011Key Exchange Key (KEK)24. Juni 2026
Microsoft Corporation UEFI CA 2011Drittanbieter-Bootloader & Option ROMsJuni 2026
Microsoft Windows Production PCA 2011Windows-Bootloader (in der DB)Oktober 2026

An ihre Stelle tritt die erneuerte 2023er-Kette:
Microsoft Corporation KEK 2K CA 2023, Windows UEFI CA 2023 (Windows Boot Manager),
Microsoft UEFI CA 2023 (Drittanbieter-Bootloader) sowie Microsoft Option ROM UEFI CA 2023.

Die einzelne Drittanbieter-CA wurde dabei bewusst in zwei 2023er-CAs aufgeteilt. Die neuen Zertifikate sind bis 2038 gültig.

Was passiert, wenn man nichts tut?

Kein Gerät bleibt am Stichtag stehen.
Systeme mit abgelaufenen 2011er-Zertifikaten booten weiterhin, und reguläre Windows-Updates werden weiter installiert. Es entfallen lediglich neue Schutzmechanismen für den frühen Boot-Vorgang (Windows Boot Manager, DB/DBX-Sperrlisten, Boot-Level-Fixes). Mit jeder künftigen Bedrohung sinkt die Schutzwirkung eines nicht migrierten Geräts also schrittweise – kein akuter Ausfall, sondern eine schleichend wachsende Lücke.

Wie kommen die neuen Zertifikate auf die Geräte?

Windows-Clients

Viele PCs ab 2024 bringen die 2023er-Zertifikate bereits mit. Übrige erhalten sie über monatliche Windows-Updates (Controlled Feature Rollout) – standardmäßig aktiv. Voraussetzung: Updates ab dem 11.11.2025.

Windows Server

Erhält die Zertifikate nicht automatisch. Administratoren stoßen die Aktualisierung manuell an – per Registry, Gruppenrichtlinie oder Virtualisierungs-plattform.

Linux / VMs / Cloud

Dual-signierte Shims (2011 + 2023) halten Systeme bootfähig. Bei Shielded-/Trusted-Launch-VMs muss die virtuelle Firmware die neuen Zertifikate kennen. TPM-PCR-Werte ändern sich.

Wie prüft man den Status der Geräte?

Vor jedem Rollout steht die Bestandsaufnahme. Diese Wege liefern verlässliche Aussagen:

PowerShell
# Zertifikatsstatus auslesen (PowerShell)
Get-ItemProperty -Path 'HKLM:\SYSTEM\CurrentControlSet\Control\SecureBoot\Servicing' `
  -Name UEFICA2023Status | Select-Object UEFICA2023Status

Wie rollt man die Aktualisierung der Secure Boot-Zertifikate aus?

1

Firmware vorbereiten

Aktuelles BIOS/UEFI des Herstellers einspielen und BitLocker für 1-2 Neustarts aussetzen.

2

Rollout auslösen

Registry-Wert AvailableUpdates auf 0x5944 setzen.

3

Aufgabe starten

Geplante Aufgabe Secure-Boot-Update ausführen, statt auf den 12-Stunden-Zyklus zu warten.

4

Abschluss prüfen

Zwei Neustarts durchführen; Erfolg über UEFICA2023Status = „Updated“ und Event ID 1808 verifizieren.

CMD / PowerShell
REM Rollout per Registry auslösen
reg add HKLM\SYSTEM\CurrentControlSet\Control\SecureBoot ^
  /v AvailableUpdates /t REG_DWORD /d 0x5944 /f

REM Aufgabe sofort starten (PowerShell)
Start-ScheduledTask -TaskName "\Microsoft\Windows\PI\Secure-Boot-Update"

Zwei Neustarts sind normal und kein Fehler.
Die Verteilung ist auch per Gruppenrichtlinie („Enable Secure Boot certificate deployment“), Microsoft Intune oder über die WinCS-APIs möglich.

Was sollte man noch beachten?

Wichtiger Hinweis

Secure Boot nicht deaktivieren, um den Ablauf zu umgehen, und das 2011er-Zertifikat nicht entfernen oder sperren.
Beides senkt das Schutzniveau oder macht Geräte startunfähig.

FAQs - Secure-Boot-Zertifikate

Nein. Geräte booten weiter und erhalten weiterhin reguläre Windows-Updates. Ohne Migration entfallen nur die Boot-Level-Schutzupdates.

Nein, keinesfalls. Das senkt das Schutzniveau erheblich. Der richtige Weg ist der Umstieg auf die 2023er-CA.

Nein. Windows Server benötigt manuelles Handeln über Registry oder Gruppenrichtlinie.

Am Wert UEFICA2023Status = „Updated“ sowie an Event ID 1808 im System-Ereignisprotokoll.

Handlungsempfehlung für IT-Admins

Sinnvoll ist ein gestaffeltes Vorgehen vor dem Stichtag: zunächst eine Inventur des Zertifikatsstands, dann aktuelle Firmware, anschließend ein Pilot-Rollout an validierten Geräten, der wellenweise ausgebaut wird – und durchgehend ein Monitoring über Registry-Status, Event-IDs und Autopatch-Berichte. Den größten Aufwand verursachen Server, Spezialhardware und ältere Images, weil sie nicht vom automatischen Rollout profitieren.

Fazit

Der Stichtag 24. Juni 2026 für die  Secure-Boot-Zertifikate ist weniger ein Notfall als eine Frist, die sich mit der gebotenen Sorgfalt gut beherrschen lässt – vorausgesetzt, die Migration wird strukturiert und früh genug angegangen.
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