Druckprobleme nach KB5120708: .NET-Update stoppt Druck und PDF-Export

Seit dem Patchday am 11. August 2026 verteilt Microsoft kumulative Updates für das .NET Framework, die in Fachanwendungen den Druck und den PDF-Export abbrechen lassen.

Am 24. August 2026 hat Microsoft die Druckprobleme nach KB5120708 als bekanntes Problem bestätigt: Betroffen sind Anwendungen auf Basis von Windows Presentation Foundation (WPF), ausgelöst wird der Fehler ausgerechnet von Standardschriften wie Calibri.

Ein Korrekturtermin fehlt bislang, der Workaround hebt eine Schutzfunktion des Sicherheitsupdates wieder auf.

Das Wichtigste in Kürze

Was KB5120708 beim Drucken auslöst

Am 11. August 2026 hat Microsoft die kumulativen Updates für das .NET Framework 3.5, 4.7.2, 4.8 und 4.8.1 veröffentlicht. Kurz danach meldeten Anwender, dass Fachanwendungen plötzlich nicht mehr drucken. Statt einer Ausgabe erscheint eine Ausnahme, die auf eine Schriftdatei im Windows-Verzeichnis verweist:

System.IO.FileFormatException: 'file:///C:/WINDOWS/FONTS/CALIBRI.TTF'
file does not conform to the expected file format specification.

Laut Microsoft können WPF-Anwendungen nach der Installation fehlschlagen, sobald sie Inhalte drucken oder als PDF beziehungsweise XPS erzeugen, die bestimmte Schriften verwenden – darunter Calibri.

Betroffen sind ausschließlich Anwendungen, die auf Windows Presentation Foundation aufsetzen, das Oberflächen-Framework für klassische Windows-Desktopprogramme. Das erklärt das typische Schadensbild: Die Anwendung startet normal, die Maske ist bedienbar, erst beim Druck oder beim Erzeugen eines PDFs bricht der Vorgang ab.

Gemeldet wurden Ausfälle in kaufmännischen Fachanwendungen und in Berichtsmodulen auf Basis von Crystal Reports; der IT-Dienstleister Trichromic nennt die Kanzleisoftware CCH von Wolters Kluwer. Einzelne Hersteller haben laut dem IT-Blog von Günter Born bereits eigene Korrekturen ausgeliefert. Wie viele Systeme betroffen sind, nennt Microsoft nicht.

Wichtig für IT-Admins

Nicht jedes Druckproblem nach einem Patchday gehört hierher. Kennzeichen dieses Falls sind die Ausnahme System.IO.FileFormatException und der Verweis auf eine Schriftdatei aus C:\Windows\Fonts. Der August-Patchday brachte laut golem.de weitere Auffälligkeiten mit sich, darunter Abstürze und Bluescreens – diese führt Microsoft allerdings auf Beleuchtungssoftware von Drittanbietern zurück, nicht auf das Update.

Diese Updates lösen die Druckprobleme aus

Je nach Betriebssystem und Framework-Version erscheinen die Updates unter eigenen KB-Nummern. Alle stammen vom 11. August 2026:

Betroffene .NET-Framework-Updates vom 11. August 2026
KB-Nummer Plattform
KB5120708 Windows 11 25H2, Windows Server 24H2
KB5120713 Windows 11 23H2
KB5120709 / KB5120701 Windows 10 21H2 und 22H2
KB5120705 / KB5120714 / KB5121650 Windows Server 2022
KB5120698 / KB5120703 Windows 10 1809, Windows Server 2019

Microsoft nennt als betroffene Plattformen Windows 10 und 11 sowie Windows Server 2012 bis 2025. Prüfen Sie deshalb nicht nur Arbeitsplätze: Auf Terminal- und Anwendungsservern fällt die Ausgabe für alle Benutzer gleichzeitig aus. Im IT-Blog von Günter Born berichten Administratoren zudem, dass die .NET-Updates ohne WSUS-Freigabe auftauchten – der Blick in die installierten Updates ist also verlässlicher als der in die Freigabeliste.

Warum Calibri die Druckprobleme auslöst

Beim Druck und beim PDF- oder XPS-Export bettet WPF nicht die vollständige Schriftdatei ein, sondern nur die verwendeten Zeichen. Dieses Verfahren heißt Font Subsetting und läuft über die Methode GlyphTypeface.ComputeSubset(). Genau dort bricht der Vorgang seit dem August-Update ab.

Hintergrund ist eine Härtung der Schriftverarbeitung: Das Update prüft die internen Tabellen einer TrueType-Schrift deutlich strenger auf Überläufe. Die betroffenen Microsoft-Schriften tragen jedoch alte kern-Tabellen, deren Längenangabe als 16-Bit-Wert gespeichert ist und Größen oberhalb von 65.535 Byte nicht mehr korrekt abbilden kann. Die neue Prüfung wertet das als fehlerhafte Datei und weist die gesamte Schrift ab, statt die optionale Tabelle zu überspringen. Im offiziellen WPF-Projekt auf GitHub ist der Fall als Regression mit der höchsten Priorität erfasst.

Betroffen sind nach dieser Analyse 15 Schriftschnitte der Familien Calibri, Cambria, Constantia und Corbel sowie ältere Fassungen von Open Sans. Nicht betroffen sind unter anderem Arial, Segoe UI, Consolas und Calibri Light.

Warum Calibri die Druckprobleme auslöst

Beim Druck und beim PDF- oder XPS-Export bettet WPF nicht die vollständige Schriftdatei ein, sondern nur die verwendeten Zeichen. Dieses Verfahren heißt Font Subsetting und läuft über die Methode GlyphTypeface.ComputeSubset(). Genau dort bricht der Vorgang seit dem August-Update ab.

Hintergrund ist eine Härtung der Schriftverarbeitung: Das Update prüft die internen Tabellen einer TrueType-Schrift deutlich strenger auf Überläufe. Die betroffenen Microsoft-Schriften tragen jedoch alte kern-Tabellen, deren Längenangabe als 16-Bit-Wert gespeichert ist und Größen oberhalb von 65.535 Byte nicht mehr korrekt abbilden kann. Die neue Prüfung wertet das als fehlerhafte Datei und weist die gesamte Schrift ab, statt die optionale Tabelle zu überspringen. Im offiziellen WPF-Projekt auf GitHub ist der Fall als Regression mit der höchsten Priorität erfasst.

Betroffen sind nach dieser Analyse 15 Schriftschnitte der Familien Calibri, Cambria, Constantia und Corbel sowie ältere Fassungen von Open Sans. Nicht betroffen sind unter anderem Arial, Segoe UI, Consolas und Calibri Light.

betroffene Schriftschnitte
0
betroffene Schriftfamilien
0
geschlossene Schwachstellen
0
davon Schadcode aus der Ferne
0

Diese Zahlen entscheiden die Bewertung. KB5120708 behebt sechs Schwachstellen im .NET Framework, darunter drei zur Ausführung von Schadcode aus der Ferne (CVE-2026-62886, CVE-2026-62897, CVE-2026-70354) und zwei zur Rechteausweitung (CVE-2026-65810, CVE-2026-62872). Welche davon zur verschärften Schriftprüfung gehört, weist Microsoft nicht öffentlich aus. Klar ist: Die Härtung ist Teil des Sicherheitsupdates – wer sie abschaltet, öffnet die geschlossene Lücke wieder.

So prüfen Sie die Druckprobleme

Ob ein System betroffen ist, zeigt sich in wenigen Minuten – ohne die Fachanwendung selbst zu starten. Der folgende Aufruf reproduziert den Fehler direkt in PowerShell:

Add-Type -AssemblyName PresentationCore
[System.Windows.Media.GlyphTypeface]::new([Uri]"$env:WINDIR\Fonts\calibri.ttf").ComputeSubset([uint16[]]@(0))

Läuft der Befehl ohne Ausgabe durch, ist das System unauffällig. Endet er mit einer FileFormatException, greift die neue Prüfung.

So gehen Sie weiter vor:

1

Bestand aufnehmen

Installierte .NET-Framework-Updates auf Clients und Servern erfassen und mit der Tabelle oben abgleichen.

2

Betroffene Anwendungen eingrenzen

Alle Fachanwendungen testen, die drucken oder PDF-Dateien erzeugen. Ein Testdruck mit Calibri gegen einen mit Arial zeigt den Unterschied sofort.

3

Hersteller einbeziehen

Nachfragen, ob eine korrigierte Programmfassung vorliegt. Das ist die saubere Lösung, weil sie die Sicherheitsfunktionen unangetastet lässt.

4

Dokumente prüfen

Vorlagen, Berichte und Formulare auf die verwendeten Schriften durchsehen. Häufig steckt Calibri nur in einer Fußzeile oder Tabellenüberschrift.

Workaround für die Druckprobleme

Microsoft nennt als Übergangslösung einen Schalter, der die neue Prüfung für eine einzelne Anwendung abschaltet. Er wird in der Konfigurationsdatei der Anwendung gesetzt:

<configuration>
  <runtime>
    <AppContextSwitchOverrides
      value="Switch.MS.Internal.TtfDelta.DisableCmapAndSbitOverflowProtection=true" />
  </runtime>
</configuration>

Wichtige Hinweise

Der Schalter deaktiviert die mit dem August-Update eingeführte Schutzfunktion und macht die geschlossene Lücke wieder ausnutzbar. Microsoft empfiehlt ihn ausdrücklich nur als vorübergehende Maßnahme – gezielt in der Konfiguration der betroffenen Anwendung, nicht pauschal auf allen Systemen.

Alternativen: betroffene Schriften in Vorlagen ersetzen, etwa Calibri durch Calibri Light oder Arial, oder das Font Subsetting abschalten – Letzteres kann nur der Hersteller sauber umsetzen und vergrößert die Dateien deutlich. Eine Deinstallation des Updates löst das Druckproblem ebenfalls, nimmt aber den Schutz für sechs Schwachstellen vom System.

Empfehlungen für IT-Admins

Bedeutung für Geschäftsführung und Entscheider

Der Ausfall trifft einen Punkt, an dem Betriebsabläufe sichtbar stehen bleiben. Rechnungen, Lieferscheine und Verträge entstehen am Ende eines Prozesses als Druck oder PDF. Fällt dieser Schritt aus, ist die Arbeit davor zwar getan, das Ergebnis verlässt das Haus aber nicht – auf einem Terminalserver für alle Benutzer gleichzeitig.

Zu entscheiden ist eine Abwägung, die nicht allein in der IT liegt: Der Workaround stellt die Ausgabe wieder her, nimmt dafür aber eine Schutzfunktion zurück, die Microsoft im August gezielt eingeführt hat. Vertretbar ist das als befristete Maßnahme für einzelne Anwendungen, mit festem Termin für die Rücknahme. Der Aufwand ist überschaubar: Prüfung und Konfigurationsanpassung sind Arbeit von Stunden. Zeit kostet vor allem die Abstimmung mit den Softwareherstellern – die saubere Korrektur kommt aus deren Programmen.

Bemerkenswert bleibt die Häufung: Nach den Fehlern im Windows 11-Update KB5094126 und den Boot-Problemen nach dem Juni-Update ist dies der dritte Zwischenfall dieser Art in wenigen Monaten. Ein gestaffeltes Rollout – erst eine kleine Testgruppe, dann die Fläche – kostet wenige Tage Verzögerung und fängt genau solche Fälle ab, bevor sie den ganzen Betrieb erreichen.

FAQ zu KB5120708

Nein. Der Fehler tritt nur in Anwendungen auf, die auf Windows Presentation Foundation aufsetzen und beim Druck oder PDF-Export Schriften einbetten. Microsoft Word oder Adobe Acrobat nutzen einen anderen Weg zur Ausgabe.

Am Fehlerbild: eine System.IO.FileFormatException mit Verweis auf eine Schriftdatei aus C:\Windows\Fonts, meist CALIBRI.TTF. Der PowerShell-Test aus diesem Beitrag bestätigt das in Sekunden.

Nein. KB5120708 schließt sechs Schwachstellen, darunter drei zur Ausführung von Schadcode aus der Ferne. Der Schalter in der Anwendungskonfiguration ist das kleinere Übel, eine korrigierte Programmfassung des Herstellers die beste Lösung.

In vielen Fällen ja, etwa auf Arial, Segoe UI oder Calibri Light. Der Wechsel verändert allerdings das Layout und ist bei Formularen mit fester Gestaltung nicht immer praktikabel.

Ein Termin ist bislang nicht genannt. Microsoft führt den Fall seit dem 24. August 2026 als bekanntes Problem mit dem Status „Investigating“.

Fazit

Die Druckprobleme nach KB5120708 zeigen den Preis von Sicherheitshärtung: Eine strengere Prüfung der Schriftverarbeitung fängt manipulierte Schriftdateien ab, weist dabei aber auch Schriften zurück, die Microsoft selbst seit Jahren mit Windows ausliefert.

Für IT-Verantwortliche bleibt es bei einer klaren Reihenfolge: Sicherheitsupdate behalten, betroffene Anwendungen eingrenzen, Herstellerkorrektur anfordern, den Workaround nur befristet und anwendungsbezogen einsetzen. Wer den Schalter setzt, trägt das Datum für seine Rücknahme gleich mit ein. Der dritte Update-Zwischenfall dieses Sommers zeigt zudem: Eine kleine Testgruppe vor dem Rollout ist keine Bürokratie, sondern der günstigste Schutz.

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