Eine Grafik mit rotem Hintergrund, die eine digitale IT-Struktur in einem abstrakten Design darstellt. Geeignet für technische Themen.
Eine Grafik mit rotem Hintergrund, die eine digitale IT-Struktur in einem abstrakten Design darstellt. Geeignet für technische Themen.
Microsoft beendet die Exchange Web Services (EWS) in Exchange Online ab Oktober 2026.
Ab Oktober 2026 wird der Zugriff für alle Tenants standardmäßig blockiert, spätestens im April 2027 soll endgültig Schluss sein für EWS.
Betroffen ist alles, was heute programmgesteuert auf Postfächer zugreift: Backup- und Archivierungslösungen, Signaturprodukte, Ticketsysteme, CRM-Anbindungen, Migrationswerkzeuge und eigene Skripte.
Die Umstellung erfolgt auf Microsoft Graph und sollte nicht als reines Update gesehen werden. In vielen Fällen kommen neue Programmversionen, zusätzliche Berechtigungen und eine angepasste App-Registrierung in Entra ID zusammen. Daher wird empfohlen nicht erst im Oktober mit der Bestandsaufnahme loszulegen, zumal Backup-Ausfälle typischerweise erst im Ernstfall auffallen.
EWS stammt aus der Zeit von Exchange 2007. Webservices auf Basis von HTTP und XML waren damals der moderne Weg, um Systeme miteinander zu verbinden – deutlich offener als die proprietären Protokolle davor.
Der Preis dafür: Ein Client meldet sich an, baut eine Sitzung auf und hält sie. Das kostet Serverressourcen, und nicht jeder Client meldet sich sauber wieder ab. Microsoft Graph arbeitet dagegen zustandslos nach REST-Prinzipien und überträgt JSON statt XML: Jeder Aufruf bringt alle nötigen Informationen mit.
Dazu kommt die schlichte Betriebslogik: Microsoft wird nicht dauerhaft zwei Schnittstellen parallel pflegen. In der Cloud ist Graph die Zukunft. Für Exchange On-Premises ist das Bild genau umgekehrt – dort gibt es keinen Graph-Zugriff, dort bleibt EWS. Produkte, die beide Welten bedienen, müssen künftig beides beherrschen.
Die Abschaltung von EWS ab Oktober 2026 gilt ausschließlich für die Cloud.
Das heißt, sobald Postfächer in Microsoft 365 liegen, ist jeder programmgesteuerte Zugriff darauf betroffen.
Wichtig zu wissen: Für öffentliche Ordner in Exchange Online gibt es aktuell keinen Graph-Ersatz. Outlook greift weiterhin per MAPI zu, der programmgesteuerte Zugriff per EWS entfällt jedoch ersatzlos. Wer Automatisierung, Archivierung oder Backup auf öffentliche Ordner stützt, sollte frühzeitig prüfen, ob die Daten künftig besser in Microsoft-365-Gruppen oder freigegebenen Postfächern aufgehoben sind.
Microsoft stellt Outlook selbst auf die neue Schnittstelle um, das funktioniert aber nur mit einer aktuellen, noch unterstützten Version. Outlook aktualisiert sich normalerweise selbstständig, aber wenn es ab Oktober Probleme gibt, müsste man einmal manuell schauen.
Diese Versionen erhalten die Umstellung nicht mehr. E-Mails sollten weiter funktionieren, da Outlook die Mails nicht über EWS abruft, aber Frei/Gebucht-Anzeige, Abwesenheitsnotizen und das Offline-Adressbuch können ausfallen.
Die Umstellung läuft im Hintergrund über Microsoft.
Die Umstellung auf die neue Schnittstelle ist in der Endphase. Hier muss drauf geachtet werden, dass das Programm auf dem aktuellen Stand ist, sobald Updates erscheinen.
Hier ist noch nicht abschließend geklärt, wann die Umstellung fertig ist. Apple und Microsoft arbeiten daran. Im Notfall müsste Outlook für Mac benutzt werden.
Diese Apps nutzen bereits eine andere Schnittstelle.
Fachanwendungen, wie z. B. ERP-, CRM- oder Ticketsysteme, die automatisiert Mails versenden oder Kalender auslesen, könnten EWS nutzen und betroffen sein, wenn sie über Exchange Online Mails versenden. Das müsste man separat prüfen.
Betroffen ist zudem praktisch jede Software, die auf Postfachinhalte zugreift – unabhängig davon, ob sie im Vordergrund läuft oder unbemerkt im Hintergrund arbeitet:
Sichern Postfächer, Kalender und Kontakte aus Exchange Online.
Übernehmen Nachrichten revisionssicher aus Postfächern und Archiven.
Verschieben Postfachinhalte zwischen Tenants oder Plattformen.
Lesen und schreiben Termine, Aufgaben und Korrespondenz.
Verteilen zentrale E-Mail-Signaturen in die Postfächer.
Erzeugen Tickets aus Postfächern und antworten darüber.
Prüfen Zustellwege, Richtlinien und Aufbewahrung.
Skripte und Anwendungen auf Basis der EWS Managed API oder EWS SOAP.
Microsoft räumt Kunden, die EWS nutzen eine Übergangsphase ein – allerdings eine, die aktiv konfiguriert werden muss.
Wer nichts tut, verliert den Zugriff auf EWS bereits mit dem ersten Stichtag.
Der Zugriff ist unverändert möglich. Diese Zeit ist für Bestandsaufnahme, Herstellerabstimmung und Tests gedacht – nicht für Abwarten.
Microsoft deaktiviert EWS tenantweit. Wer einzelne Anwendungen weiterlaufen lassen muss, aktiviert EWS bewusst und pflegt eine Freigabeliste mit den zugehörigen App-IDs.
EWS wird auf allen Tenants blockiert. Freigabelisten und Schalter sind ab diesem Zeitpunkt wirkungslos – eine Verlängerung ist derzeit nicht absehbar.
Gesteuert wird die Übergangsphase über zwei Parameter von Set-OrganizationConfig: EwsEnabled als Hauptschalter und EwsAllowedAppIDs als Liste der weiterhin zugelassenen Anwendungen.
| Konfiguration | bis Okt 2026 | Okt 2026 – Apr 2027 | ab Apr 2027 |
|---|---|---|---|
| EwsEnabled = $null (Standard), keine Freigabeliste | nutzbar | Microsoft setzt den Wert auf $false → blockiert | blockiert |
| EwsEnabled = $true, keine Freigabeliste | nutzbar | blockiert | blockiert |
| EwsEnabled = $true + gepflegte App-IDs | nur Apps der Liste | nur Apps der Liste | blockiert |
| EwsEnabled = $false | blockiert | blockiert | blockiert |
Kurz gesagt: Ab Oktober 2026 fällt EWS pauschal weg – es sei denn, Sie setzen den Schalter bewusst auf $true und pflegen die Liste der erlaubten App-IDs. Ab April 2027 greift keine der beiden Einstellungen mehr.
Wie konkret die Umstellung wird, zeigt sich an zwei Produkten, die in vielen mittelständischen Umgebungen im Einsatz sind.
MailStore nutzt für Exchange Online heute teilweise noch EWS. Betroffen sind insbesondere die Archivierung von Exchange-Online-Postfächern und Online-Archivpostfächern, der Zugriff auf öffentliche Ordner sowie der Export zurück nach Microsoft 365.
Der Hersteller stellt derzeit auf Microsoft Graph um; entsprechende Versionen erscheinen ab der 26er-Reihe. Bestehende Archivierungsprofile müssen dabei teilweise angepasst werden – ein Versionssprung allein genügt nicht immer.
Auch Veeam verwendet für Exchange-Online-Backups aktuell EWS und stellt die Sicherung auf Microsoft Graph um. Dafür werden voraussichtlich neue Programmversionen, zusätzliche Graph-Berechtigungen und eine Anpassung der Azure- bzw. Entra-App-Registrierung nötig.
Bleiben diese Anpassungen aus, fallen die Exchange-Online-Backups nach der Abschaltung aus.
Die Folge: Ein Backup, das nicht mehr läuft, meldet sich i.d.R: nicht von selbst – der Ausfall fällt oft erst auf, wenn eine Wiederherstellung gebraucht wird.
Vier Schritte, die sich in der Praxis bewährt haben:
Microsoft stellt im Microsoft 365 Admin Center einen EWS Usage Report bereit. Er zeigt, welche Anwendungen noch über EWS zugreifen und welche App-IDs dahinterstehen. Das ist der wichtigste erste Schritt – und der einzige, der Klarheit über den tatsächlichen Ist-Zustand schafft.
Für jede eingesetzte Software sollte verbindlich geklärt werden, wie und wann die Umstellung auf Graph erfolgt.
Nicht erst im Herbst 2026. Viele Produkte benötigen neue Versionen, neue API-Berechtigungen und ein verändertes Authentifizierungsverfahren – und jedes davon gehört vor dem Produktivbetrieb getestet.
Eigene Skripte und Anwendungen, die auf der EWS Managed API oder auf EWS SOAP aufsetzen, müssen vollständig auf Microsoft Graph migriert werden. Ein Kompatibilitätsmodus ist nicht vorgesehen.
Die Übergangsphase wird über Exchange Online PowerShell gesteuert. Wer die Freigabeliste aktiv pflegt, stellt sicher, dass genau die geplanten Anwendungen weiterarbeiten – und keine neuen unbemerkt hinzukommen.
# Freigabeliste bewusst pflegen (Exchange Online PowerShell)
Set-OrganizationConfig `
-EwsEnabled $true `
-EwsAllowedAppIDs @("AppId-1","AppId-2","AppId-3") # Unbekannte App-ID im eigenen Tenant aufloesen Connect-MgGraph -Scopes Application.Read.All Get-MgServicePrincipal ` -Filter "AppId eq '<AppId>'" | ft DisplayName, AppId
Nein. Exchange Server On-Premises bietet EWS weiterhin an. Auch in Hybrid-Umgebungen bleibt der EWS-Zugriff auf lokale Postfächer möglich. Betroffen sind ausschließlich Postfächer in Exchange Online.
Nein. In der Übergangsphase greift der Schalter nur zusammen mit einer gepflegten Liste zugelassener App-IDs. Steht der Schalter auf $true, die Liste ist aber leer, bleibt der Zugriff blockiert.
Ja. Erfahrungsgemäß greifen mehr Systeme auf Postfächer zu als bekannt ist: Hintergrunddienste, Raumverwaltungen, Personalplanungen oder alte Clients, die von der Softwareverteilung nicht erfasst werden. Der Usage Report kostet wenige Minuten und schafft Sicherheit.
Sie bleiben über Outlook nutzbar, weil der Zugriff dort per MAPI erfolgt. Der programmgesteuerte Zugriff per EWS entfällt jedoch ersatzlos, ein Graph-Äquivalent gibt es derzeit nicht. Das betrifft vor allem Backup- und Archivierungslösungen.
Danach sieht es derzeit nicht aus. Ab April 2027 ist EWS auf allen Tenants blockiert, unabhängig von Schaltern und Freigabelisten. Planen Sie den Rückbau deshalb so, dass er deutlich vorher abgeschlossen ist.
Die EWS-Abschaltung ist kein Sonderfall für Entwicklerinnen und Entwickler, sondern ein Betriebsthema mit einem festen Datum. Wer heute den Usage Report auswertet, weiß in wenigen Minuten, wie groß das eigene Thema tatsächlich ist – und hat noch genügend Zeit für Herstellerabstimmung, Updates und Tests.
Am kritischsten sind erfahrungsgemäß die unauffälligen Systeme: Backup und Archivierung laufen im Hintergrund, melden sich nicht und fehlen genau dann, wenn sie gebraucht werden. Setzen Sie diese beiden Punkte deshalb an den Anfang Ihrer Planung, nicht ans Ende.
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